Facebook-Statusmeldung der Zukunft: “Bitte zahlen Sie Ihre offene Kreditrate von 234 Euro”
Die soziale Position als Druckmittel für Banken und Finanzunternehmen …
Als mir ein leitender Angestellter welcher sich “der Kopf” des Online-Marketing-Teams einer bedeutsamen deutschen Bank schimpft, sein aktuelles Projekt unter die Nase rieb, ahnte dieser bestimmt nicht, dass ich dieses hier wieder auf Critch.de niederschreibe und erst recht nicht wie sein Projekt auf die Bevölkerung wirken wird. Selbst ich bin gespannt was der eine oder andere zu diesem Bankenprojekt sagen wird. Der Launch soll aufjedenfall in den kommenden Monaten erfolgen und ohne Zweifel bei der Bank ein voller Erfolg werden.
Das Projekt “Social-Mobbing” der deutschen Banken
Jährlich melden in Deutschland etwa 140.000 Haushalte Privatinsolvenz an und können demnach ihre Kredite auch nicht mehr zurückzahlen. – Schlecht für die Bank – Wer jedoch in eine Privatinsolvenz “rutscht” hat meist mehr Gläubiger als gedacht und wer von den Gläubigern nach diesem Schritt im Prozess der Privatinsolvenz noch Geld sieht, dass entscheidet am Ende der zuständige Insolvenzverwalter. Meistens sind es dann die Banken die dann ins Granit beißen müssen und keinen Cent mehr vom Schuldner sehen werden.
Dieses Problem kennen die Bänker nicht erst seit gestern und versuchen ständig Wege zu finden derartige Zahlungsausfälle bereits von Anfang an zu vermeiden. Der größte Faktor für die Banken war bisher die Optimierung bei der Kreditvergabe und die Prüfung des jeweiligen Haushalts über genug Einkommen und Sicherheiten. Doch aufhören zu optimieren heißt aufhören zu arbeiten, denn das neue Projekt setzt an einem ganz anderen Punkt an. Wer in die erste Phase von Zahlungsausfällen kommt, muss sich meist entscheiden welche Rechnung gezahlt wird. Denn für alle Rechnungen reicht es bereits im Schritt zwischen “verschuldet” und “überschuldet” schon nicht mehr. Wer als Gläubiger in dieser bedeutsamen Phase den stärksten Druck auf den Schuldner ausübt, kommt in der Regel noch am “besten” davon – so die Erfahrungen der Bank.
Da kam der “Social-Media-Boom der sozialen Netzwerke” im Jahr 2010 doch für Banken anscheinend gerade recht, denn diese wollen in kürzester Zeit genau dort anfangen den Schuldner unter Druck zu setzen wo es laut vielen Analysen am meisten weh tut: Im sozialen Umfeld, kurz gesagt: Bei Facebook. Die soziale Position soll als Druckmittel genutzt werden, um Zahlungsausfälle zu vermeiden. So wird beispielsweise bei einem Zahlungsausfall einer Kreditrate automatisch eine Statusmeldung an die Pinnwand bei Facebook geheftet, mit dem Hinweis: “Bitte zahlen Sie Ihre offene Kreditrate von 234,87 Euro – Lastschrift fehlgeschlagen” und die engsten Freunde werden nicht nur markiert sondern aufs peinlichste informiert. Nicht nur auf Facebook sollen dann Freunde und Verwandte über den Zahlungsausfall informiert werden, sondern andere soziale Netzwerke sollen ebenfalls dieselbe vollautomatische Statusmeldung zeitgleich verpasst bekommen.
Auf meine Frage welchen Namen das “evolutionäre” Projekt ziert wusste der “Head of Online-Marketing” doch tatsächlich noch keinen Namen. Ich wüsste doch auf Anhieb einen: “Social-Mobbing” und zwar auf höchstem Niveau.
Rechtlich in Ordnung? Aber sicher!
Im ersten Moment scheint es als würden die Banken tatsächlich zu weit gehen und sich das Recht nehmen über den Datenschutz hinweg über nahezu persönliche Geschäftsbeziehungen peinlichst genau zu quatschen und auch noch Freunde und nahe Verwandte über Zahlunsgausfälle deren zu informieren. Aber das Recht hat jeder Schuldner der Bank dabei aufs kleinste eingeräumt. Facebook und auch Twitter beispielsweise bewerben die letzten Monate die Funktion für die Anbindung “neuer Apps” direkt an das soziale Netzwerk wie die Tabakindustrie ihre Zigaretten. Eine Kleinigkeit bei einem Registrierungsprozess, – beispielweise bei einer Kreditanfrage über das Internet -, eine solche Berechtigung sich als Bank einzuholen. Rechtliche Absicherungen werden in einer zusätzlichen Klausel oder sogar “nur” in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehalten.
Wer online seinen Kredit in Zukunft abschließt, sollte bald Vorsicht walten lassen wenn “Allgemeine Geschäftsbedingungen” und “zusätzliche Klauseln” bestätigt werden, um am Ende nicht eine böse Überraschung auf seiner eigenen Pinnwand auf Facebook zu erleben die spürbar Folgen hinterlassen werden.
Update: Während in Amerika das gesamte Projekt schon mehr als positiv angelaufen ist und laut den US-Banken die Rückzahlungsrate enorm gesteigert werden konnte, ergeben sich immer mehr Gesetzeskonflikte für den Start innerhalb deutschlands. Unter rechtsanwalt.com wurde ein interessantes Gerichtsurteil bei einer Diskussion entdeckt: “Die Richter sahen durchaus Ähnlichkeit mit mittelalterlichen Prangermethoden, die den Betroffenen in eine psychische Zwangssituation bringen können. Ferner sahen beide Gerichte Ansehen und Kreditwürdigkeit durch die öffentliche Bloßstellung gefährdet.”
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