Der einst weltgrößte Internet-Anbieter AOL kehrt zurück, “… die AOL-Software als bisher größter Fehler”
“AOL feiert seinen stärksten Umsatzzuwachs seit sieben Jahren …”
Wer kennt sie nicht mehr, die berühmte AOL-Software um ins Internet zu gelangen und um den beliebten Satz “Sie haben Post” entgegen zu fiebern. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität in der ersten Hälfte der 2000er Jahre war AOL mit über 30 Millionen Kunden noch weltweit der größte Internet-Provider. Alles längst vergessen – seit Jahren muss AOL mit starken Umsatzrückgängen kämpfen. Doch AOL fängt nun an sich neu zu positionieren – und das auch bald in Europa.
Schuld an dem Rückgang ist wohl vor allem das Verschlafen neuer Technologien. AOL beharrte bis zuletzt darauf Nutzer über die eigene Software auf dem unternehmenseigenen Content zu halten. Die Software wurde wenig weiterentwickelt. Als “nervend” und “langsam” bezeichneten Nutzer die AOL-Software und das Unternehmen als “egoistisch”, denn ohne die Software war keine Einwahl ins Internet bei dem Provider möglich. Die AOL-Software stellte Nutzern die Funktionen einer Suchmaschine, einer Community, einem Marktplatz und einem Messenger zur Verfügung. All das was heute Google, Facebook, eBay und Skype in einer um weitaus besseren Technologie darstellt. Die Nutzer wechselten scharenweise den Provider und AOL zog sich mehr und mehr aus dem Markt zurück. T-Online und dann auch Alice waren nun Spitzenreiter in Sachen Internet-Anbieter, zumindest in DE/A/CH und sind es bis heute geblieben. In Amerika wuchs ebenfalls die Konkurrenz und zog dem Konzern Kunden ab.
Einnahmen erwirtschaftete der Konzern zuletzt nur noch durch die eigene Suchmaschine, welche über AOL.com erreichbar ist – doch auch da sinken Monat für Monat die Zugriffszahlen. Der angeschlagene Webpionier hatte sich im Jahr 2010 fast ganz aus dem Markt zurückgezogen. Lediglich bei der Vermarktung von grafischer Online-Werbung trat AOL nicht den Rückzug an.
Vor Kapital konnte sich das in New York ansässige Unternehmen auch in schwierigen Zeiten kaum retten. Ende 2005 stieg Google für eine Milliarde Dollar (etwa 833 Millionen Euro) bei AOL ein. Im Juli 2009 kaufte Time Warner die Anteile von Google zurück, um AOL in einem weiteren Schritt an die Börse zu bringen. Im April 2010 verkauft das mit starken Umsatzrückgängen kämpfende Unternehmen außerdem die damals sehr beliebte Messenger-Software ICQ für etwa 187 Millionen Dollar an das russische Investment-Unternehmen Digital Sky Technologies, welcher unter anderem Betreiber von mail.ru ist. Im Frühsommer 2012 verkaufte AOL einen Großteil seiner Patente für 1 Milliarde Dollar an Microsoft.
AOL hat sich auch nicht mehr zum Ziel gesetzt sich als Internet-Provider wieder erfolgreich zu positionieren, sondern möchte über die “Huffington Post” wieder in Europa Fuß fassen. Im letzten Jahr kaufte das Unternehmen die Online-Zeitschrift “Huffington Post”. Die Zeitschrift steigt gerade über Online-Werbung derzeit in Amerika durch die Decke. Dieser soll nun auch in weiteren Ländern starten – unter anderem auch in Deutschland. Auch der Technikblog “Engadget” wird weiterhin von AOL ausgebaut und bleibt in Deutschland weiter bestehen.
AOL möchte sich voll und ganz in der Content-Vermarktung etablieren. Der Gewinnzuwachs bestätigt die Entscheidung.
Der Konzern wies am Dienstag ein Plus beim Werbeetat von sieben Prozent auf 340 Millionen Dollar aus. Das ist wohl der stärkste Zuwachs seit sieben Jahren. Die Investoren können sich freuen und AOL bleibt weiterhin auf Wachstumskurs im Contentbereich.
Der europäische Onlinemarkt wird für US-Medienunternehmen zunehmend attraktiv. Anfang kommenden Jahres will auch das “Wall Street Journal” einen deutschsprachigen Ableger starten, der nur online erscheinen soll. Anders als die “Huffington Post” versucht die zum Murdoch-Konzern gehörende Zeitung, mit einer Hybridstrategie aus kostenlosen und kostenpflichtigen Inhalten Geld zu verdienen.
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